Historie des Alt-Rehser Schlossparks

Das Dorf „Reze“ (heute Alt-Rehse), wurde 1182 erstmals als Besitzung des Klosters Broda erwähnt. Später ging es in den Besitz der Herren von Maltzahn auf Burg Penzlin über, der damit ein Rittergut von insgesamt 460 ha sein eigen nennen konnte.

1897 Übergang in den Besitz von Ludwig Freiherr von Hauff, Verwandter des Märchendichters Wilhelm Hauff. Ludwig von Hauff war durch erfolgreiche Spekulationen mit zaristisch-russischen Eisenbahnaktien zu Reichtum gekommen und erfüllte sich seinen Lebenstraum: Er baute sich sein eigenes Schloss und legte zwischen Schloss und See einen herrlichen und ungewöhnlich großen Landschaftspark mit zahlreichen Alleen und seltenen Bäumen an.

Als mit der russischen Oktober-Revolution 1917 die Eisenbahnaktien keine Dividende mehr abwarfen und keinen Rubel mehr wert waren, verlor die Familie Hauff, die einen recht aufwändigen Lebensstil pflegte, schlagartig ihre finanzielle Grundlage. Im Jahr 1921 brannte dann das gut versicherte Schloss ohne ersichtlichen Grund ab. 1923 wurde das Schloss in der jetzigen, einfacheren Gestalt wieder aufgebaut.

Führerschule der deutschen Ärzteschaft

Das Rittergut wurde 1934 von den Nationalsozialisten enteignet und dem Hartmann-Bund (der später in der „Kassenärztlichen Vereinigung“ aufging) übertragen, der auf dem Gelände des Parks die „Führerschule der deutschen Ärzteschaft“ errichtete.

Über 14.000 linientreue Ärzte, Krankenschwestern und Hebammen aus dem Deutschen Reich, wurden als Multiplikatoren der neuen nationalsozialistischen Medizin hier geschult, um die medizinischen Dienste flächendeckend auf die „Heilung des Volkskörpers“ einzuschwören. Für ihre Identifikation war williges medizinisches Personal notwendig, das entsprechend indoktriniert werden musste.

Zu diesem Zweck wurden im Park in kürzester Zeit 15 große Ziegel-Fachwerkhäuser in niedersächsischer Hallenbauweise erbaut. 1934-35 entstanden neben dem Gemeinschaftshaus („Schulungsburg“) Häuser zur Unterbringung der Kursteilnehmer, sowie der medizinischen und politischen Lehrer – ebenso alles, was der Versorgung, der Erholung und körperlichen Ertüchtigung diente – einschließlich Turnhalle, Sportstadion und Badestelle mit Umkleidekabinen, Sprungturm und Segelhafen. Zeitgleich wurde das Dorf Alt Rehse weitgehend abgerissen und als Musterdorf im selben Stil neu aufgebaut.

Ab 1941 hörten die Schulungskurse in der Ärzteschule schlagartig auf und das Gelände diente von 1941-45 als „Heeres-Reserve-Lazarett“.

Zwischen 1945-47 waren russische Soldaten stationiert. Wie durch ein Wunder war der ursprüngliche Befehl, alles dem Erdboden gleichzumachen, widerrufen worden.

Kinderdorf

Von 1948-52 war der Park von Kinderstimmen erfüllt: Ein Kinderdorf entstand, vor allem für traumatisierte Kinder, die auf Flucht und Vertreibung ihre Eltern verloren hatten und hier wieder Lachen und Spielen lernten. Zur Selbstversorgung wurden viele Obstbäume gepflanzt, die noch heute reiche Frucht tragen.

Wirkungsort von Staatssicherheit und NVA

Von 1952-55 befand sich hier ein Institut für Lehrerbildung.

Ab Herbst 1955 zieht das Ministerium für Staatssicherheit und die Kasernierte Volkspolizei (Bereitschaftspolizei) ein.

1958 übernimmt die NVA (Nationale Volksarmee) die Anlage und bis 1989 war der Park vor allem Gästesitz der Militärbefehlshaber, Übungsort für Leistungssportler und Musikkapellen, sowie Erholungs- und Therapiezentrum des Militärs. Auch die NVA hinterließ Bauwerke im westlich gelegenen Teil des Parks: Zahlreiche und große Bunkeranlagen zum Schutz der militärischen Einsatzleitung im Ernstfall.

Die Wende

1989 kam die nächste Wende und das Gelände ging 1990 in den Besitz der Bundeswehr über: Die Soldaten wechselten die Uniform, die eine Fahne wurde eingeholt, die andere gehisst, die neue Hymne erklang – und die Wende im Park war vollzogen. Die Bundeswehr führte während ihrer Stationierung bis 1998 zahlreiche infrastrukturelle und bauliche Maßnahmen durch. So entstand das Nahwärmenetz, das die Häuser im Park mit Wärme versorgt.

1998 war die Bundeswehr ausgezogen und „das Objekt“ wurde als Bundesvermögen zum Verkauf ausgeschrieben. von 1998 bis 2006 war der Park leer und blieb, jahrelang sogar ohne Bewachung, weitgehend sich selbst überlassen. Die Natur hatte den Park für sich. Viele scheue Tiere, unter ihnen Damhirsche, Wildschweine und der Pommernadler siedelten sich hier an.

Im Jahr 2006 erwirbt der Unternehmer G. P. das Gelände für 1.000.000,- € von der BVVG. Wenig später veräußert er das Gelände an die Tollense Ltd. & Co.KG vertreten durch den Geschäftsführer Christoph Wallner und den “Generalbevollmächtigten”, Bernhard Wallner.

Auf der Gläubigerversammlung am 10.02.2012, gibt der Geschäftsführer des Nachfolgeunternehmens, Tollense GmbH & Co.KG, Christoph Wallner, zum Besten, dass die Firma genau betrachtet bereits seit 2006 insolvent ist.

Die GLS-Bank Bochum stellt auf der Gläubigerversammlung am 10.02.2012 ein Ultimatum an die Geschäftsleitung der Tollense GmbH & Co.KG, die zuvor gekündigten Darlehen von nahezu 500.000,- € zurückzuführen.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s